ESG erzählt...

Mit diesem Format teilen wir kurze Geschichten, um auch in der aktuellen Situation verbunden zu bleiben!

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Ein Fenster!
Von Kavita Dhakaday

Ich mag Windows. Grundsätzlich alle Arten von Fenstern, wie Fenster von Häusern, Autos, Klassenzimmer.... (mehr)

...Besonders mag ich Fensterplätze in Flugzeugen. Ich bekomme frische Luft, Sonnenlicht, gute Sicht und Raum für Kreativität. Wie würde das Haus ohne Fenster oder Flugzeuge ohne Fenster aussehen? Was wäre, wenn Noah kein kleines Fenster hätte, um einen Vogel von seinem Boot zu befreien? Was sehen Sie alle von Ihren Fenstern?

 

Ich halte dieses Fenster für ein Zeichen der Freiheit. Zur Zeit lebe ich in der Altstadt. Ja, in Altstadt mit einer freundlichen deutschen Familie. In dieser Corona-Pandemie, in der die Bonner Bürger keine wunderschönen Straßen besuchen durften. Es war eine sehr schöne Straße mit Japanischen Kirschblüten Leicht konnte ich es von der nächsten Straße meines Hauses aus sehen. Ist es nicht wunderbar?

In der Altstadt wohne ich in einem ziemlich großen Haus und es gibt zwei Fenster in meinem Zimmer. Eines ist in der Nähe meines Bettes, wo ich weiße Blumen und kunstvolle Häuser und Straßen sehen kann. Von einem anderen Fenster aus kann ich den Himmel sehen. Ich liebe es, den Himmel in der Nacht zu sehen. Ich kann Gottes Schöpfung sehen.

 

Diese beiden Fenster haben mich am Leben erhalten, als ich aus Indien zurückkam und mich für 14 Tage unter Quarantäne stellte. In dieser Zeit der Pandemie stehe ich nicht vor großen Schwierigkeiten. Das erste Mal nach meinem Masterstudium, als ich meinen ersten Job machte, begann ich als PG in meinem eigenen Zimmer zu leben und ich erinnere mich immer noch, dass ich nur ein sehr kleines Fenster oben hatte, von dort hörte ich nur Stimmen aus unserer Nachbarschaft. Es war schrecklich. Als ich zum ersten Mal in Bonn war, bekam ich mein Zimmer in DBH mit einem großen Fenster, von dort konnte ich ein großes Haus sehen, in dem SCM in der Königstraße steht. Ich habe einen anderen Namen Rani, was Königin bedeutet, und mir wurde klar, dass ich in der Königstraße lebte. Was für ein Zufall war das. Im Sommer saß ich in der Nähe meines Fensters. Ich habe dort viele trockene Blumen aufbewahrt und mein erstes Maiherz war dort.

 

Ich war sehr glücklich, als ich meinen DBH-Raum im Erdgeschoss und speziell mein Fenster sah und jetzt befestige ich mit meinen neuen zwei Fenstern. Und ich denke, dies könnte ein Grund sein, von dieser Pandemie nicht betroffen zu sein, selbst wenn ich alleine weit weg von meinem Geburtsort lebe. Stärken mich meine neuen zwei Fenster. Ich habe Glück, dass ich den Himmel sehen kann, einen neuen Tag, neuen Sonnenschein. Ich weiß, dass viele von uns in diesen Situationen Schwierigkeiten haben. Meine Fenster helfen mir, weil ich es ihnen erlaubt habe.

Aufgrund dieser Pandemie oder des normalen Lebens kann es in jedem Leben viele Höhen und Tiefen geben.Es kann einige Sekunden dauern, bis Sie dies gelesen haben. Von Ihrem Fenster oder von einem offenen Ort aus können Sie in Richtung Himmel schauen und einfach Danke an unseren Schöpfer sagen oder einfach die Augen unter dem schönen Himmel schließen. Hoffentlich bekommst du das gleiche Gefühl, das ich nicht in Worten ausdrücken kann.

 

 

Kavita Dhakaday ist 2018 für ihr FSJ in der ESG Bonn aus ihrer Heimat in Indien nach Deutschland gezogen und lebt seitdem in Bonn.


Lastenrad statt Hochzeitslimousine
Von Lydia Metz

Vor ein paar Tagen ist mir ein Brautpaar am Rhein aufgefallen, welches auf Lastenrädern mit vielen Ballons und Musik herumgefahren ist... (mehr)

...und die beiden sahen aus wie die glücklichsten Menschen der Welt, obwohl sie ja eigentlich auch traurig und verärgert über die geplatzte große Hochzeitsfeier sein könnten. Die beiden so zu sehen hat mich glücklich und nachdenklich zugleich gemacht.

 

Ich hoffe, dass diese schlimme Zeit gerade auch positive Veränderung schaffen kann, indem sich Menschen wieder Zeit für sich selbst und ihre Liebsten nehmen.

Allgemein merke ich momentan, worüber ich mich wirklich freue und was ich eigentlich gar nicht vermisse, obwohl ich noch vor Wochen dachte, dass ich diese Dinge anscheinend in meinem Leben brauchen würde.

 

Ein schöner Tag ist für mich gerade, wenn ich an der frischen Luft bin, ein Telefonat mit einer Freundin führe, auf dem Balkon frühstücke oder einfach Musik in meinem Zimmer höre. Ich nehme mir Zeit für Dinge, die ich vorher nicht zur Verfügung hatte, da ich von A nach B gehetzt bin, um Uni, Job, Freunden und Freizeit gerecht zu werden. Zum Beispiel bringe ich mir selber bei Ukulele zu spielen und frische mein eingerostetes Schulfranzösisch wieder auf.

 

Natürlich bin ich nicht jeden Tag produktiv, denn gelernt habe ich auch, dass es in Ordnung ist mal nichts zu tun. Ich glaube das ist eine Sache die vielen Menschen schwer fällt, da man oft den ganzen Tag auf Achse ist und jede Minute verplant.

Also habt Mut zum Nichtstun ab und an, auch wenn der normale Alltag irgendwann wieder los geht.

 

 

Lydia Metz ist seit einem Jahr im Sprecher*innen Team der ESG und oftmals überwältigt und gleichzeitig etwas überfordert von der Anzahl an tollen Veranstaltungen und Initiativen in Bonn.


Oma, du hast doch was vergessen!
Von Inga Trost

Sie war die reinlichste Frau, die ich je kennengelernt habe. Würde ich sie malen, dann stünde sie gerade in ihrem Garten und verjagte die Schnecken mit dem Besen oder kehrte die Terrasse... (mehr)

Sie hat ihr gesamtes Haus von oben bis unten liebevoll gehegt und gepflegt. Das war ein wichtiger Teil ihres Lebens. Eines Tages wurde sie aus ihrem Alltag unvermittelt herausgerissen, weil bei ihr Knochenkrebs im Endstadium diagnostiziert wurde.

Jedes Mal, wenn ich sie dann im Krankenhaus besucht habe, wollte sie wissen, was ich aus dem Haus alles haben möchte. Die Frage war mir total unangenehm. Schließlich lag sie noch vor mir und da wollte ich nicht daran denken, was mit ihren Sachen passieren soll. Das war mir in dem Moment egal.

 

Dann war es soweit. Oma hat ihre letzte Reise angetreten. Die Tasche aus dem Krankenhaus kam wieder zurück ins menschenleere Haus. Es sah dort alles noch so ordentlich aus wie an dem Tag, als sie es verlassen hat. Wenn ich in Omas Haus bin, dann ist es, als müsste sie eigentlich wiederkommen. Sie hat doch noch so viel dagelassen. Dann fällt mir ein, was meine Patentante einmal gesagt hat: „Ein Sarg hat keine Regale!“ All das, was Oma immer so ordentlich geputzt hat, bleibt hier, das braucht niemand für die letzte Reise. Da zählt wirklich nur noch der einzelne Mensch, der da ganz alleine seinen Weg geht. Irgendwie macht diese Erkenntnis leicht.

 

 

Inga Trost ist seit 2018 im Sprecher*innen-Team der ESG. Bis letzten Monat hat sie im Wohnheim der ESG Bonn gewohnt und im Zuge des Umzugs festgestellt, wie viel Zeug sie schon in all den Jahren angesammelt hat.